Billiger durch Mediation Rabatte


Sollten Sie als Versicherungsnehmer zustimmen, sich von Anwälten vertreten zu lassen, die mit ihrer Rechtsschutzversicherung kooperieren, werden Ihnen von den Versicherern in vielen Fällen Rabatte auf die Selbstbeteiligung geboten. Rund ein Drittel der Versicherungsunternehmen gewährt Preisnachlässe, wenn die Kunden sich zuerst von der Rechtsschutzversicherung beraten lassen, bevor Sie einen anderen Juristen hinzuziehen.


Die Anwälte selbst sind von dieser Aktion wenig angetan, zumal sie auch von Seiten der Regierung unter Druck geraten sind. Nach Informationen von „Welt Online“ will Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die Anzahl der Gerichtsprozesse senken, indem die außergerichtliche Mediation gestärkt wird. Dies gehe aus einem Referentenentwurf hervor, der kürzlich vorgelegt worden war.

 

Im Bereich Rechtsschutz passen sich die Versicherungen damit dem Vorgehen der Kfz-Versicherungen an, die ähnliche Kooperationen mit Werkstätten aufgebaut haben. Hier werden Kunden Rabatte auf die Beiträge gewährt, wenn diese für anfallende Reparaturen eine Partnerwerkstatt des Versicherers aufsuchen. Auf diese Art und Weise versuchen nun auch die Rechtsschutzversicherungen ihre Ausgaben zu senken. Das scheint auch bitter nötig, denn laut einer Hochrechnung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) arbeiten die Versicherungsgesellschaften derzeit mit Verlust.

 

Selbstbeteiligung durch Schadenfreiheitsrabatt verringern

Kunden der DEURAG ist es zum Beispiel möglich, eine geringere Selbstbeteiligung für Ihre Rechtsschutzversicherung zu bekommen. Die Selbstbeteiligung wird halbiert, wenn der sich Versicherungsnehmer für einen Juristen entscheidet, der mit der DEURAG eine Kooperation eingegangen ist. Möglich ist diese Einsparung mit dem „M-aktiv“ Komplett-Tarif. Allerdings muss hier beachtet werden, dass die DEURAG nur dann die Kosten für einen Anwalt übernimmt, wenn zuvor eine außergerichtliche Einigung gescheitert ist. Die Concordia gewährt ihren Kunden ebenfalls einen 50-prozentigen Rabatt auf die Selbstbeteiligung, wenn diese sich für einen Partner-Anwalt entscheiden.

 

Die LVM verfährt noch mehr nach dem Vorbild der Kfz-Versicherung und bietet den Versicherten Schadenfreiheitsrabatte für die Rechtsschutzversicherung an. Hier sinken die Beiträge nach drei Jahren um zehn Prozent, sofern die Assekuranz keinen Rechtsstreit für den Kunden regulieren musste. Sollte sich der Versicherte für einen Anwalt entscheiden, mit dem die LVM zusammenarbeitet, bleibt der Schadenfreiheitsrabatt auch im Falle eines Rechtsstreites bestehen.

 

Bei der HUK-Coburg setzt man hingegen auf ein gestaffeltes System mit Schadenfreiheitsrabatten. Nach zwei Jahren, in denen kein Rechtsstreit zu regulieren war, sinkt die mit 150 Euro veranschlagte Selbstbeteiligung um ein Drittel. Weitere zwei „schadenfreie“ Jahre später sinkt die Selbstbeteiligung erneut um 50 Euro, nach insgesamt sechs Jahren fällt sie völlig weg. Durch die Erstberatung von einem Juristen, eine außergerichtliche Mediation oder einen von der HUK-Coburg vorgeschlagenen Anwalt können Versicherungsnehmer einer Rückstufung entgehen.

 

Juristen reagieren gespalten auf die Neuerungen

Beim Deutschen Anwaltsverein (DAV) steht man dem Vorgehen der Versicherer eher ablehnend gegenüber. So gab der DAV beispielsweise zu bedenken, dass sich durch eine Mediation nicht immer ein gut ausgebildeter Jurist ersetzten lässt. Vor allem im Bereich Verkehrsrechtsschutz würden sich dabei Probleme ergeben. Zusätzlich weißt der DAV auf die Gefahr hin, dass möglicherweise einige Anwälte von den Versicherungsgesellschaften ausgegrenzt würden.

 

Die APRAXA steht einer Zusammenarbeit mit den Versicherungen wiederum offen gegenüber. In dem Netzwerk mit genossenschaftlicher Struktur sind bundesweit rund 650 Anwaltskanzleien organisiert. Hauptsächlich sind dabei die Bereiche Rechtsschutz, Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung vertreten.